Gelebte Völkerverständigung: Internationale Jugendbegegnungen im KiEZ Sebnitz gehen in die dritte Runde

Verfasst am 20. Juli 2018 16:40

Grenzen überwinden, Weltoffenheit leben, Freundschaften knüpfen, Sprachen lernen – und gleichzeitig eine tolle Ferienzeit erleben? Die internationalen Jugendbegegnungen im Kinder- und Jugenderholungszentrum (KiEZ) „An der Grenzbaude“ in Sebnitz ermöglichen genau dies. Bereits das dritte Jahr in Folge empfängt die Einrichtung in der Sächsischen Schweiz Kinder und Jugendliche aus der Ukraine sowie Tschechien für eine gemeinsame Sommercamp-Zeit mit einheimischen Kids. 

„Vor rund drei Jahren ist der ‚Internationale Wohlfahrtsfond Oberig‘ aus Kiew auf uns zugekommen,“ erzählt Katja Hartmann, Geschäftsführerin des KiEZ Sebnitz. „Unsere Anlage und Angebote haben die ukrainische Organisation auf der Suche nach einer Ferienunterkunft für ukrainische Kinder überzeugt. Seit 2016 besteht nun die Kooperation, bei der bis zu viermal pro Jahr Kinder und ihre Lehrer aus der Ukraine zu uns reisen, um hier eine erlebnis- und lehrreiche Auszeit zu haben.“ Eine Besonderheit dieser Aufenthalte sind dabei die deutsch-ukrainischen Feriencamps, bei denen die Kinder der zwei Nationen direkt aufeinandertreffen. In den derzeit stattfindenden 14-tägigen Ferienlagern wohnen sie zusammen, genießen gemeinsame Ferienerlebnisse und lernen darüber hinaus auch die Kultur der jeweils anderen kennen. Eventuelle Sprachbarrieren zwischen den 12- bis 17-Jährigen werden schnell überwunden – zum einen hilft ein Dolmetscher, zum anderen eigene Sprachvorkenntnisse in Deutsch (bei den ukrainischen Kindern), Russisch (bei den deutschen Kindern) oder auch Englisch (auf beiden Seiten), um sich zu verständigen.

Förderung unterstützt die heiß begehrten Camps

Die internationalen Jugendbegegnungen sind nicht zuletzt durch Fördermittel von Bund und Land realisierbar. Die Antragstellung läuft dabei über den Landesverband der KiEZe in Sachsen, der für die Durchführung der Camps mit dem KiEZ Sebnitz kooperiert. „Statt weit zu reisen, holen wir die weite Welt zu uns“, erklärt Hardy Spitzner, Geschäftsführer des Landesverbandes KiEZ Sachsen e.V., der alle fünf sächsischen KiEZe unter einem Dach vereint. „Und die Nachfrage ist immens – die Plätze für deutsche Teilnehmer sind ebenso schnell ausgebucht wie auch auf ukrainischer Seite. Einige Kinder haben in den letzten Begegnungen so enge Freundschaften geknüpft, dass sie sich sogar für den folgenden Sommer verabredet haben – sie treffen nun erneut im Camp aufeinander. Die Begeisterung auf allen Seiten gibt uns Recht, mit diesen Camp-Angeboten neue Wege für eine weltoffene Gesellschaft zu beschreiten. Und sie bestätigt auch die hervorragende Arbeit unserer Betreuer, Programmplaner und Pädagogen, die ein ansprechendes und abwechslungsreiches Programm für die Kinder und Jugendlichen zusammenstellen.“

Einander verstehen und miteinander leben

In diesem Jahr sind 30 Kinder und 4 Lehrer/Betreuer aus dem ukrainischem Kiew und der Region Mykolajiw zu Gast in Sebnitz. Die Kinder sind mit ebenso vielen deutschen Kids den beiden parallel stattfindenden Ferienlagern „Erlebnis-Camp“ (für 12- bis 14-Jährige) und „Teenie-Camp“ (für 14- bis 17-Jährige) zugeordnet. Langeweile kommt bei den internationalen Begegnungen garantiert nicht auf: Sportliche Aktivitäten, kreative Arbeiten, Wanderungen in die einzigartige Natur rund um das KiEZ und Ausflüge zu berühmten Sehenswürdigkeiten der Region, Spielspaß im Gelände des KiEZes gehören ebenso zum Programm wie Lagerfeuerabende, Discovergnügen oder Länderpräsentationen, um sich gegenseitig die Heimat inklusive Sprache und Traditionen näherzubringen. „Wir bemerken bei den Kindern und Jugendlichen ein sehr herzliches Beisammensein. Die Aufgeschlossenheit gegenüber den ‚Anderen’ ist sehr groß, und wir stellen fest, wie gut es funktioniert, über diesen engen Austausch die Kultur des jeweils anderen Heimatlandes besser zu verstehen“, berichtet Heike Allerdt, Betreuerin im deutsch-ukrainischen Camp. „Es wird sehr schnell deutlich, dass beide Nationen in diesem Alter dieselben Sorgen, Freuden, Gedanken umtreiben. Eigentlich sind nur die Sprachen unterschiedlich, das Leben aber ist es nicht.“ Und Lena Ryshowa aus Mykolajiw ergänzt: „Einen Unterschied haben wir allerdings schon festgestellt: Die deutschen Kinder und Jugendlichen sind viel sportlicher. Aber mittlerweile sind wir auch trainiert, meistern die Wanderausflüge, Sportaktivitäten und die viele Bewegung. Sogar die Handys – sonst immer wichtigstes Accessoire der heutigen Jugend – werden immer öfter beiseite gelegt und vergessen. Nur die Eltern, die warten jeden Tag sehnsüchtig auf ein paar Fotos und Berichte von den Erlebnissen. Dafür haben zumindest wir Betreuer abends dann doch wieder das Smartphone in der Hand.“

Betreuer im Ferien-Camp: JuLeiCa ist Pflicht

Wichtiger Faktor eines jeden Camps ist das gut ausgebildete, ehrenamtliche Betreuer-Team. Während einige die Ferienlager nutzen, um sich selbst auf die Eignung für einen pädagogischen Berufsweg zu testen, wählen andere die Camps als bewusste Auszeit vom (stressigen) Alltag. Voraussetzung für einen Einsatz als Betreuer im Feriencamp ist, neben der Leidenschaft für die Arbeit mit Kindern, die JugendleiterCard, auch JuLeiCa genannt. Sie kann in viertägigen Lehrgängen unter anderem auch in den fünf sächsischen Einrichtungen der KiEZe erworben werden und gilt anschließend drei Jahre bundesweit für die ehrenamtliche Jugendarbeit. Die JuLeiCa ist zwingend notwendig für alle Betreuer und Betreuerinnen in den KiEZen, und gilt gleichzeitig als einheitliches Qualitätsmerkmal. Weitere Informationen über die JuLeiCa-Ausbildung in den KiEZen gibt es hier: https://kiez.com/juleica-ausbildung/juleica.html 

Weitere Nationen zu Gast

Wenn in Kürze die ukrainischen Kinder wieder zurück in ihre Heimat reisen und auf den nächsten Sommer hoffen, stehen bald die nächsten ausländischen Gäste erwartungsvoll und vorfreudig vor der Tür: Ab Ende Juli findet das deutsch-tschechische Teenie-Camp (ab 14 Jahren) statt. Auch hier werden Nationalitäten nebensächlich, Kulturen zusammengeführt, Sprachen überwunden und das Ferienleben in vollen Zügen genossen. Neben den international besetzten Camps im Sebnitzer KiEZ haben auch die anderen KiEZ-Einrichtungen in Sachsen immer wieder Gäste aus dem Ausland zu Besuch – so waren u. a. bereits vietnamesische, bulgarische und syrische Kinder unter den Ferienlager-Teenies.